Autofahren trotz Demenz – (Wie) Geht das?

Autofahren trotz Demenz – (Wie) Geht das?

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie weiterhin hinterm Steuer sitzen

 

„Ja, darfst Du denn jetzt überhaupt noch Auto fahren?“ Diese Frage stellen sich viele Menschen nach der Diagnose selbst. Noch viel öfter hören sie die Worte von anderen. Doch die Frage „Autofahren trotz Demenz-Diagnose“ ist nicht so leicht zu beantworten. Generell möchte man als Autofahrer weder andere Menschen gefährden noch Dinge beschädigen. Gleichzeitig steht ein eigenes Fahrzeug für Mobilität und Unabhängigkeit.

Demenz ist nicht gleich Demenz

Jährlich erhalten laut einer Studie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Deutschland mehr als 300.000 Menschen die Diagnose Demenz. Das sind etwa 900 Menschen pro Tag. Einige von ihnen erhalten die Diagnose sehr spät. Sie gehen erst zum Arzt, nachdem sie selbst schon massive Probleme im Alltag haben.

Andere Menschen, so wie Bernhard Rother*, gehen (oder fahren) in einem viel früheren Stadium der Erkrankung zum Arzt .

Bernhard ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Zunächst schob er seine zunehmende Vergesslichkeit auf die vielen Veränderungen in seinem Alltag. Seine alte Struktur fehlte ihm. ER vermisste das morgendliche Aufstehen, die exakt festgelegten Arbeitsabläufen im Labor und die Dispute mit den Kollegen. Auch dass es nun keine gemeinsamen gefeierten kleinen und großen Erfolge gab, machte ihn traurig.

Die Krankheit beginnt schleichen

Seine Frau Monika war es, die sich zuerst Sorgen machte. Er sei so zerstreut, vergesse immer wieder Abmachungen. Und auch das Chaos in seiner Werkstatt und im Gartenhaus gefiel ihr gar nicht. Sie kannte Bernhard als ordentlichen, gut strukturierten Mann. Die Diagnostik erfolgte in der Gedächtnisambulanz der Uniklinik.Insgesamt drei Mal fuhr Bernhard dafür in die die 40 km entfernte Landeshauptstadt. (

Wie eine gute Diagnostik aussieht, können Sie hier nachlesen. Bernhard war froh, seine Frau an seiner Seite zu haben, als beim dritten Besuch die Diagnose verkündet wurde: Alzheimer Demenz im frühen Stadium. Er hatte das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. Selbst Auto zu fahren, traute er sich an diesem Tag nicht mehr. Würde er es überhaupt noch dürften?

 

Was sagt eigentlich das Verkehrsrecht zum Thema Autofahren

Das Strassenverkehrs-Gesetz sagt: Jeder Verkehrsteilnehmer hat die Pflicht seine Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr zu prüfen. Das Verkehrsrecht unterscheidet dabei Fahreignung und Fahrtüchtigkeit.

Die Rechtsanwältin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Bärbel Schönhof schreibt:

In den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung wird kein grundsätzliches Fahrverbot bei leichter Demenz gefordert. Die Fahreignung, also die generelle Befähigung zum Führen eines Kraftfahrzeugs sei zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch gegeben. 

Für alle Formen der Demenz gilt, dass die Fahreignung im Verlauf der Krankheit abnimmt und dass das Autofahren bei einer mittelschweren und schweren Demenzerkrankung eingestellt werden muss.

Was bedeutet das ganz genau, fragte sich Bernhard. Er wusste, dass Alkohol und einige Medikamente die Fahrtüchtigkeit einschränkten, ebenso wie Müdigkeit oder Krankheitsgefühl. Doch wie war das mit seiner Demenz?

Fahr-Fitness-Check und Mobilitäts-Check für Senioren

ADAC-Test für Senioren

Im Internet fand Bernhard heraus, dass der ADAC einen Fahr-Fitness-Check für ältere Fahrer anbietet. Als ADAC-Mitglied zahlt er dafür nur 59 Euro. Begleitet von einem Fahrlehrer fährt Bernhard durch die kleinen Gassen seiner Heimatstadt, ein Stück Landstraße und dann zurück ein kurzes Stück über die Autobahn. Er macht seine Sache gut, das bestätigt ihm der Fahrlehrer. Trotz Demenz darf er weiteer Autofahren. Dennoch gibt der Fahrlehrer ihm einige Hinweise mit auf den Weg. So weiß Bernhard, woran er erkennen kann, dass sich seine Fahreignung verschlechtert. Wenn Sie das auch wissen möchten, holen Sie sich die Checkliste.

Sicherheits-Check bei der DEKRA

Monika hat sich selbst und Bernhard zu einem Mobilitäts-Check bei der DEKRA angemeldet. Sie sagt, dass sie nun öfter die längeren Strecken übernehmen möchte. Da will sie selbst auch sicher sein, dass sie dazu noch fit genug ist. Beim Mogliltäts-Check werden neben der Fahrbeobachtung auch Sehkraft, Hörvermögen, Beweglichkeit und Belastbarkeit geprüft. Am Ende erhalten Bernhard und Monika jeweils ein Zertifikat, dass ihre aktuelle Fahreignung bestätigt.

Immerhin, hätten sie den Test nicht bestanden, wäre keine Behörde benachrichtigt worden. Die Teilnehmer entscheiden selbst, wie Sie mit den Empfehlungen umgehen und welche Konsequenzen Sie daraus ziehen. 

Konkrete Absprachen erhöhen die Sicherheit

Bernhard und Monika besprechen, worauf sie in Zukunkft in punkto Autofahren besonders achten möchten. Bernhard ist froh, dass sich seine Frau beim letzten Autokauf mit ihrem Wunsch nach einem Automatik-Fahrzeug durchgesetzt hat. Das macht ihnen beiden das Fahren leichter.

Darüber hinaus treffen sie folgende Vereinbarungen.

  1. Vor jedem Fahrtantritt prüft Bernhard genau, ob er sich wohl fühlt. Falls nicht, wird die Fahrt verschoben oder Monika setzt sich ans Steuer.
  2. Auf bekannten, kurzen Strecken fährt Bernhard.
  3. Alle Ziele werden im Naviagationsgerät programmiert, so dass Bernhard dieses Hilfsmittel bei Bedarf jederzeit nutzen kann.
  4. Wenn möglich, werden Autobahnabschnitte und Gefahrenstellen vermieden.
  5. Monika und Bernhard vermeiden die Hauptverkehrszeiten.
  6. Sie fahren nicht nachts oder bei schlechtem Wetter.
  7. Bernhard wird regelmäßig den Fitness-Check des ADAC nutzen.

Für den Adventsbesuch bei den Kindern wollen Bernhard und Monika in diesem Jahr die Bahn nutzen. Ihr Enkel hat gerade die Fahrerlaubnis-Prüfung bestanden und wird sie vom Bahnhof abholen.

Wenn das Risiko zu hoch wird

Konrad Maywald* hat in den letzten Monaten mehrere Bagatellunfälle verursacht. Als ehemaliger Kraftfahrer kann der heute 80jährige gar nicht verstehen, wieso ihm so etwas immer wieder passiert.

Sein Arzt spricht mit ihm. Aufgrund des schlechten Ergebnisses des Demenz-Tests und der verordneten Medikamente darf er nicht mehr fahren. 

Niemals sich selbst und andere gefährden

In erster Linie geht es darum, keine Menschenleben zu gefährden. Das kann auch passieren, wenn Konrad Maywald nur noch kurze, gut bekannte Strecken fährt.  Seine Reaktionsgeschwindigkeit hat abgenommen. Er kann nicht mehr so schnell reagieren. Wenn er auf ein unerwartetes Ereignis zu spät reagiert , bringt er andere und sich selbst in Gefahr. Denken Sie nur an ein Kind, das auf die Straße läuft oder einen schnellen Radfahrer, der plötzlich „wie aus dem Nichts“ auftaucht!

Doch Konrad Maywald nimmt auch ein finanzielles Risiko auf sich, wenn er sich nicht an die Empfehlung des Arztes hält. Im Falle eines weiteres Unfalls kann die Versicherung ihn durchaus zur Kasse bitten.

 

Die Versicherung bittet zur Kasse

Wenn ein demenzkranker Mensch einen Unfall verursacht, muss zunächst die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden, den Andere erleiden, regulieren.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung kann sich jedoch einen Teil des Schadens ersetzen lassen. Der Fahrer und sein Angehörigen können haftbar gemacht werden.

Sogar  strafrechtliche Konsequenzen kommen im Falle eines schweren Unfalls in Betracht.

Auch ohne Auto mobil bleiben

Konrads Sohn ist erleichtert, als der Vater auf Anraten des Arztes seinen Autoschlüssel abgibt. Doch er weiß auch, wie wichtig dem Vater die mobile Unabhängigkeit ist. Gemeinsam haben sie ausgerechnet, wie viel Geld Konrad durch den Verkauf des Autos spart:

  • Geld aus dem Verkauf des Fahrzeugs
  • Gesparte Benzinkosten
  • Gesparte Versicherung und KFZ-Steuer
  • Gesparte Kosten für Wartungen und Reparaturen

Konrad staunt. Da kommt eine ganz schöne Summe zusammen. Tatsächlich kann er sich dafür ohne schlechtes Gewissen den Luxus eines Taxis gönnen.

Sein Sohn hat ihm die Rufnummer der örtlichen Taxigesellschaft ausgedruckt und bringt sie dort an, wo früher der Autoschlüssel hing. So bleibt er auch ohne Auto mobil.

Zusammenfassung

 

Die Fahreignung zum Führen eines KFZ besteht am Beginn einer Demenz-Erkrankung in vielen Fällen durchaus noch. Doch im Verlauf der Erkrankung gehen wesentliche Kompetenzen verloren. Niemand kann vorhersagen, wie lange die zum Autofahren notwendigen Fähigkeiten erhalten bleiben.

 

Die Hinweise und Empfehlungen des Haus- und Facharztes sind eine gute Grundlage für die Entscheidung für oder gegen das Autofahren. Auch bei Tests bei ADAC, DEKRA und TÜV erhält man eine realistische Einschätzung zur Fahrweise. Wiederholen Sie diese Tests zu Ihrer eigenen Sicherheit regelmäßig.

*Namen geändert

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