Der richtige Weg zur Diagnose

Der richtige Weg zur Diagnose

Foto: Monkey Business Images/Shutterstock.com

Was Ihnen das Internet, ein Test in Zeitschriften und Ihre alte Nachbarin über Ihre Krankheiten nicht sagen können

Eine Demenz-Diagnose kann man nicht eben mal durch den Test in einer Zeitschrift erstellen. Und auch die Nachbarin, die sich offensichtlich mit Krankheiten aller Art auskennt ist keine Hilfe. Auch in den Medien spielt Demenz eine zunehmende Rolle – in Spielfilmen, im Tatort, in Talkrunden und bei Hauptsache Gesund.

Brigitte Herbst bemerkt seit einiger Zeit, dass ihr Kurzzeitgedächtnis-Gedächtnis sie immer mal wieder im Stich lässt. Auch ihr früher so gutes Namens-Gedächtnis macht ihr Sorgen. Sie beschließt der Sache auf den Grund zu gehen.

Wie viel Vergesslichkeit ist normal?

Im Internet findet Brigitte eine Liste mit Störungen, die bei einer Demenz auftregen können.

  • Störungen der Merkfähigkeit
  • Wortfindungsstörungen
  • Orientierungs-Störungen
  • Gestörtes Zeitempfinden
  • Handlungsstörungen
  • Unsicherheit und Fehler beim Autofahren
  • Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen

Jeder kann einmal etwas vergessen. Brigitte erinnert sich, dass sie schon als Kind eine „Turnbeutel-Vergesserin“ war. Beim Einkaufen vergaß sie Dinge, die sie nicht notiert hatte. Und hatte sie nicht öfter schon den Geburtstag von Tante Olga vergessen. „Alles ganz normal in unserem Alter“, sagt ihre Freundin am Telefon.

Ihre Nachbarin scheint anderer Meinung zu sein. Seit Brigitte einen Topf mit Kartoffeln auf dem Herd vergaß, fragt sie ständig nach dem Arztbesuch.

 

Welcher Arzt ist der richtige beim Verdacht auf eine Demenz Diagnose?

Tatsächlich beobachtet Brigitte schon seit längerer Zeit kleine Missgeschicke. Ihre Hausärztin hört ihr aufmerksam zu. Sie nimmt die Sorgen der 69-jährigen ernst. Sie beschreibt ihr, welche Ärzte als Fachärzte für Demenz gelten. Traditionell waren in Deutschland die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie zusammengefasst. Man ging zum „Nervenarzt“.

Auch wenn es immer noch Nervenarzt-Praxen gibt: Heute ist es aufgrund der enormen Entwicklung in beiden Wissenschaftsgebieten für einen Menschen nicht mehr möglich, beide Fächer auf höchstem Niveau zu beherrschen.

  • Neurolog:innen beschäftigen sich mir dem Nervensystem, mit seinem Aufbau, seinen Funktionen und Störungen. Bei einem Demenz-Verdacht können durch neurologische Untersuchungen krankhfte Veränderungen des Gehirns erkannt werden.
  • Psychiaterinnen und Psychotherapeutinnen untersuchen und behandeln krankhafte Veränderungen des Verhaltens und Störungen der Gefühle und des Denkens.

Brigitte erhält eine Überweisung in die Gedächtnisambulanz der Uniklinik. Dort sollen sowohl neurologische als auch psychologische Untersuchungen gemacht werden.

Fachabteilungen zur Diagnose von Demenz-Erkrankungen heißen

  • Gedächtnisambulanz
  • Gedächtnis-Sprechstunde
  • Memory-Klinik

Hier finden Sie eine Übersicht über Einrichtungen in Ihrer Nähe.

Diese Untersuchungen müssen gemacht werden

Es gibt sogenannte S3-Leitlinien für die Diagnostik einer Demenz. Daran sollen sich Fachärzte halten. Bei einer Gedächtnisambulanz kann man sich sicher sein, dass die Empfehlungen der Leitlinie eingehalten werden. Es ist genau festgelegt, welche Untersuchungen gemacht werden sollen.

  • Ärztliches Aufnahmegespräch: Der Arzt oder die Ärztin fragen nach Vorerkranungen und welche Veränderungen der Patient selbst erlebt. Wenn man von einem Angehörigen begleitet wird, werden die Beobachtungen des Angehörigen erfragt. Wenn Sie regelmäßig Medikament benötigen, sieht sich der Arzt auch Ihren Medikamentenplan an. Es gibt Medikamente, die die Funktionsweise des Gehirns beeinträchigen.
  • Blutuntersuchung: Gezielt werden die Blutwerte ermittelt, die für Konzentration, Merkfähigkeit und Leistungsfähigkeit des Gehirns eine Rolle spielen. Mediziner, die sich ausschließlich mit den Erkrankungen des Gehirns beschäftigen, werten die Ergebnisse aus.
  • CT (Computer-Tomografie) oder MRT (Magnet-Ressonanz-Tomografie): CT und MRT sind bildgebende Verfahren. Sie erlauben einen Einblick in den aktuellen Zustand des Gehirns und helfen dabei, die Form der Demenz festzustellen und andere behandelbare Ursachen (z. B. Einen Hirntumor) zu erkennen.
  • Psychologoisches Gutachten: Die ärztlichen Bezeichnungen für diese Untersuchung sind MMST oder DemTect. Hier müssen Sie Fragen beantworten und Aufgaben lösen. Auch der Uhrentest kann angewendet werden.

Idealerweise werden die Tests an verschiedenen Tagen gemacht. Die Patienten sollen nicht überfordert werden.

 

Auf diese Fragen beim psyhologischen Test sollten Sie sich einstellen

Vom Uhrentest hat Brigitte schon einmal etwas gehört. Sie probiert eine Uhr zu zeichnen. Mit dem Ergebnis ist sie einigermaßen zufrieden. Doch ein Zeichentalent ist sie sicher nicht. Sie ist neugierig, was sie beim Test in der Gedächtnisambulanz erwartet.

Brigitte ist bei diesem Termin etwas aufgeregt. „Völlig normal!“, sagt die Psychologin, die sie empfängt. Die ruhige Art der jungen Frau tut ihr gut. Auch die helle Einrichtung des Raumes trägt dazu bei, dass sie sich etwas wohler fühlt.

Die Psychologin erklärt Brigitte, dass die Testergebnisse immer mit den Ergebnissen von Personen der gleichen Altersklasse verglichen werden. Sie darf also heute weniger Punkte erreichen, als sie vor 20 Jahren erreicht hätte.

Im Test muss Brigitte folgdende Aufgaben lösen:

  • 10 verschiedene Wörten sollen gemerkt und später wiederholt werden.
  • Ein Wort soll vorwärts und rückwärts zu buchstabiert werden.
  • Abbildungen sollen benannt werden.
  • Begriffe müssen Oberbegriffen zugeordnet werden.
  • Ein Test ermittelt wie viele Ziffern man sich merken kann
  • Eine geometrische Figur soll abgezeichnet werden.

Am Ende glaubt Brigitte, dass sie gut abgeschnitten hat. Die Psychologin bestätigt ihren Eindruck. Eine endgültige Auswertung der Ergebnisse wird Brigitte beim ihrem nächsten Termin in der Ambulanz erhalten.

Eine exakte Diagnose verrät, welche Demenz-Form Sie haben

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Alzheimer“ und „Demenz“ oft gleichbedeutend verwandt. Tatsächlich ist Demenz der Oberbegriff und Alzheimer eine Form der Erkrankung. Es gibt es sehr viele verschiedene Demenz-Arten.

Das sind die häufigststen Demenzformen:

  • Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Demenzform. Ihre Ursachen sind leider noch nicht vollständig geklärt. Doch mal kennt Prozesse, die das Entstehen der Krankheit begünstigen. Plaques aus Beta-Amyloid und Fibrillen aus Tau sind Eiweißablagerungen, die die Funktionsweise des Gehirns stören.
  • Vaskuläre Demenzen. Vaskulär bedeutet „gefäßbedingt“. Unter vaskulären Demenzen versteht man alle Formen, bei denen die Krankheit durch Veränderungen der Durchblutung des Gehirns ausgelöst wird. Dazu gehören Gefäßverschlüsse und Infarkte. Die Multi-Infarkt-Demenz (MID) ist eine Sonderform.
  • Lewy-Körperchen-Demenz. Die Symptome dieser Form der Erkrankung ähneln denen der Alzheimer Demenz. Zusätzlich können Halluzinationen auftreten. Auch häufige Stürze oder Parkinson-Symptome können auf diese Form deuten. Die Patienten sprechen gut auf Antidementiva an. Die Gabe von Neuroleptika dagegen sollte unbedingt vermieden werden.
  • Frontotemporale Demenz. Frontotemporale Demenzen beginnen oft bereits zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Auffällig ist eine gestörte Fähigkeit, Impulse zu steuern. Daher wird die Erkrankung anfangs häufig mit psychischen Störungen verwechselt.

Eine genaue Diagnostik erlaubt eine zielgerichtete Therapie. Bisher gibt es kein Medikament, dass eine Demenz-Erkrankung heilen kann.

 

Andere Diagnosen, die keine Demenz sind

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die sehr ähnliche Symptome haben wie eine Demenz.

Dazu gehören unter anderem

  • Depressionen
  • Vitaminmangel (besonders B12)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Altershirndruck
  • Flüssigkeitsmangel

Für diese Erkranunkungen gibt es zum Teil sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Auch deshalb ist eine frühzeitige Diagnostik wichtig.

 

Diagnose Demenz – So geht es weiter

„Wie soll es nun weiter gehen?“ fragt Brigitte, als der Arzt ihr die Diagnose beginnenden Alzheimer Demenz mitteilt.

In den S-3-Leitlinien steht auch welche Therapien sinnvoll sind. Zunächst bespricht der Arzt, welche Medikamente sinnvoll sind.

  • Medikamente, die den Verlauf einer Demenz verzögern sollen, heißen Antidementiva.
  • Auch hochdosierte Gingko-Präparate werden aus Sicht der Leitlinie empfohlen. Diese Medikamente sind frei verkäuflich, dürfen aber auch vom Arzt auf Rezept verordnet werden. Der Arzt prüft, ob dieses Medikament für Sie geeignet ist. Sie sollten es nicht ohne Rücksprache einnehmen!
  • Im Falle einer vaskulären Demenz müssen auch die Grunderkrankungen, wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Diabetes gut behandelt werden.

Ebenso werden in der Leitlinie nicht-medikamentöse Therapien empfohlen. Dazu gehören Ergotherapie und Logotherapie. Sie sind genau so wirksam wie Medikamente.

Brigitte verspricht dem Arzt, gut zu beobachten, ob sie die neuen Medikamente gut verträgt. Anderenfalls wird sie sich melden. Dann kann ein anderer Wirkstoff verordnet werden. Auf die Ergotherapie freut sie sich sogar ein klein wenig. Denn sie hat beschlossen, alles zu tun, was sie weiterhin fit hält.

 

Kurz erklärt im Video

Prof. Markus Donix von der Gedächtnisambulanz der Uniklinik in Dresden erklärt den Weg zur Diagnose in diesem Video. (Bitte Video „Gedächtnisambulanz anklicken)

Zusammenfassung

Es gibt verschiedene Demenzformen.

Um herauszufinden, ob jemand tatsächlich an einer Demenz erkrankt ist, müssen verschiedene Untersuchungen gemacht werden. Dazu gehören u.a. eine Blutuntersuchung, MRT oder CT und ein psychologischer Demenz-Test.

Der Arzt kann dabei auch feststellen, ob eine andere Erkrankung für die Symptome verantwortlich ist. Deshalb sollte man so früh, wie möglich zum Arzt gehen.

Die Therapie der Demenz kann durch Medikamente und/oder nicht-medikamentöse Therapien erfolgen. Heilbar ist eine Demenz-Erkrankung bisher leider nicht.